Kälberaufzucht an der Kuh: natürlich, gesund, praktikabel (KäKNatGeP)

Beschreibung

Im Verbundprojekt „Kälberaufzucht an der Kuh: natürlich, gesund und praktikabel (KäKNatGeP)“ wurde die kuhgebundene Kälberaufzucht auf insgesamt 38 Milchviehbetrieben, die in acht regionalen Stable School Gruppen eingebunden waren, untersucht. Ziel war eine Weiterentwicklung der Verfahren auf den Höfen durch Verknüpfung von Praxiswissen und wissenschaftlichen Begleitforschungen. Im Fokus der Untersuchungen standen Aspekte des Tierwohls, der Tiergesundheit, des Managements und der Ökonomie. Der Wissenstransfer der Projektpartner stellte die Übertragung der Erkenntnisse in Praxis und Wissenschaft sicher.

Methode
Die Datengrundlage wurde durch verschiedene qualitative und quantitative Methoden gebildet. Dazu gehörten Interviews, Erhebungen zu Aufzuchtverfahren und Management, Tierwohlindikatoren von Kuh und Kalb, Ausweichdistanztests zur Bewertung der Tier-Mensch-Beziehung, Verhaltensbeobachtungen während des Absetzens, Arbeitszeiterfassungen, betriebswirtschaftliche Vollkostenrechnungen sowie mikrobiologische und klinische Untersuchungen zur Euter- und Kälbergesundheit. Vorhandene Daten der Betriebe wie die Auswertungen des Q Check-Reports und Buchführungsabschlüsse wurden ebenfalls eingebunden.

Geldgeber
  • Bundesprogramm Nutztierhaltung (BUNTH)
Partner
  • Bioland Praxisforschung GmbH
  • Demeter im Osten e.V.
  • Thünen-Institut
  • Hochschule Hannover
Ergebnis

Die Ergebnisse bestätigen, dass die kuhgebundene Kälberaufzucht grundsätzlich eine tiergerechte Alternative zur Eimertränke darstellt. Die Kälber zeigten einen guten Gesundheitszustand, die Aufzuchtverluste waren gering und die Möglichkeit, arttypische Verhaltensweisen auszuleben stellt einen Vorteil des Systems dar. Viele Praktiker:innen äußerten eine höhere Arbeitszufriedenheit, seit sie ihre Kälber von den Kühen aufziehen lassen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Erfolg des Verfahrens stark vom Management abhängt. Als Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung muss eine gesicherte Kolostrumversorgung, eine sorgfältige Ammenauswahl, ein durchdachtes Absetzmanagement sowie eine kontinuierliche Tierbeobachtung sichergestellt sein. Herausforderungen bestehen in den Bereichen Eutergesundheit, Lahmheitsmanagement, Tränke- und Stallinfrastruktur sowie beim Absetzen der Kälber. Die Untersuchungen zeigten, dass schrittweise Absetzverfahren mit einer Entkopplung von Milchentzug und sozialer Trennung das Potenzial besitzen, den Absetzstress zu verringern. Das sogenannte Fence-Line-Weaning erwies sich hierbei als vielversprechender Ansatz. 
Im Bereich der Tiergesundheit konnten keine grundsätzlichen Hinweise auf eine Verschlechterung der Eutergesundheit durch die kuhgebundene Aufzucht gefunden werden. Allerdings wurden insbesondere bei Ammenkühen vermehrt Zitzenveränderungen festgestellt. Bei einzelnen Kuh-Kalb-Paaren konnte eine Übertragung von Mastitiserregern nachgewiesen werden, weshalb der Auswahl geeigneter Ammenkühe und einer konsequenten Melk- und Stallhygiene eine hohe Bedeutung zukommt.
Die ökonomischen Auswertungen zeigen, dass die Milchkosten den größten Kostenblock aller Aufzuchtverfahren darstellen. Ammengebundene Verfahren wiesen ähnliche Vollkosten wie die Eimertränke auf, während die muttergebundene Aufzucht aufgrund von Minderleistungen der Kühe tendenziell höhere Kosten verursachte.
Der Erfahrungsaustausch der Projektbetriebe in Stable Schools hat die Umsetzung der betriebsindividuellen Weiterentwicklung gefördert, was sehr positiv von den teilnehmenden Betrieben bewertet wurde.

Im Projekt sind mehrere Merkblätter entstanden:

Leitfaden für die Praxis (link zum Leitfaden folgt in Kürze)
Der Leitfaden bietet sehr umfangreiche Informationen zu den Verfahren der kuhgebundenen Aufzucht, zum Management und zum Stallbau. Er ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen praktischen Landwirt:innen, Berater:innen und Wissenschaftler:innen und wurde im Rahmen eines Projekts der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) erstellt.

“Merkblatt zu Kriterien der Ammenauswahl”
Als Ergänzung zum Leitfaden wurde im Rahmen des Projekts ein Merkblatt erstellt, dass sich der Ammenauswahl widmet. Nachfolgend sind Kriterien aufgeführt, die bei der Auswahl der Ammen beachtet werden sollten. Grundsätzlich sollten nur gesunde Kühe als Ammen eingesetzt werden.

"Häufig gestellte Fragen zu Aufzucht, Absetzen und Weidehaltung in der kuhgebundenen Kälberaufzucht"
Einige wiederkehrende Fragen zu Systemen und Mischverfahren, zum Absetzen und zur Weidehaltung wurden in einem Merkblatt gesammelt. Sie helfen Praktikerinnen schnell und unkompliziert weiter.

 

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Förderhinweis:

Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Nutztierhaltung (BUNTH).

Projektstatus abgeschlossen
Projektstart 01.12.2022
Projektende 30.04.2026
Ansprechpartner

Elias Schmelzer
elias.schmelzer@bioland.de